In Italien verrichten noch heute einige Bergamasker ihre Arbeit bei der Herde. Von der Società Amatori del Cane da Pastore Bergamasco, S.A.B., werden ab und zu Meisterschaften organisiert, wo man die Hunde bei der Arbeit mit der Herde bewundern kann. Die Arbeitsweise des Bergamaskers gegenüber z.B. derjenigen des Border Collies ist sehr verschieden. Der Bergamasker umkreist seine Herde fast in "Tuchfühlung". Ausbrechende Tiere werden mit dem, für den Bergamaskerhund typischen, Schulterstoss zur Herde zurück bucksiert. Nur selten wird auch mit der Schnauze energisch nachgeholfen.
Der wunderbare Charakter des Bergamaskers macht es möglich, diesen urtümlichen Hund auch als Familienhund zu halten. Damit er jedoch seine einmalige Intelligenz, Ausgeglichenheit, Zuverlässigkeit, Treue, Wachsamkeit, Kinderfreundlichkeit und seinen Mut voll entwickeln kann, muss er als vollwertiges Familienmitglied ins Haus aufgenommen werden. Nie darf der Bergamasker im Zwinger oder an der Kette gehalten werden. Mag der Garten noch so gross sein, alleine gelassen verkümmert der Bergamasker. Er gehört ins Haus zu seiner Herde, der Familie, damit er an deren Tagesablauf voll teilnehmen kann.
Im jugendlichen Alter ist der Bergamasker allen fremden Personen gegenüber misstrauisch, was jedoch nicht mit Ängstlichkeit verwechselt werden darf. Es ist ihm ganz einfach unangenehm, von fremden Menschen gestreichelt zu werden. Diese Eigenschaft sollte man als Bergamaskerbesitzer akzeptieren. Einmal ausgewachsen strahlt er die typische Ruhe des Bergamasker Hirtenhundes aus - und nichts wird ihn so schnell aus der Fassung bringen. Er ist ein überaus anhänglicher Hund, der seinen zweibeinigen Freund auf Schritt und Tritt begleitet, von einem Zimmer ins andere. Auch wenn er zu schlafen scheint, wird er ihn mit seinen "verhangenen" Augen beobachten. Jede Bewegung wird registriert und bereits nach kurzer Zeit stellt man fest, dass der Hund einen komplett durchschaut. Der Bergamasker ist sehr sensibel und reagiert auf jede Stimmungsschwankung, genau so wie er auch sichtlich unter familiären Zwistigkeiten leidet, bei denen es laut zu und her geht.
Die Kinder der eigenen Familie werden ganz selbstverständlich geliebt, behütet und bewacht. Ihnen gegenüber ist er ein überaus gutmütiger Zottelbär. Nur im äussersten Notfall wird er sich zur Wehr setzen - und dann sollten eigentlich die Kinder für ihr Verhalten bestraft werden, nicht der Hund!
Der wahre Bergamasker Hirtenhund ist jedoch kein Allerweltshund, als den ihn einige Züchter gerne verkaufen. Er ist eine ausgesprochene Persönlichkeit und alles andere als unterwürfig. Man wird ihn nie zum blinden Gehorsam erziehen können, wie dies mit verschiedenen, bekannten Arbeitshunden möglich ist. Der Bergamasker denkt mit und führt nur Befehle aus, in deren Ausführung er einen Sinn sieht.
Mit Liebe, Freude, Fantasie, Intelligenz und Konsequenz kann man jedoch aus jedem Bergamasker Hirtenhund einen ausgezeichneten Begleithund machen. Wird der Bergamasker mit Gewalt zu etwas gezwungen, wird er "bockbeinig" und starrsinnig und verweigert jeden Gehorsam!
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LG Rahel mit Ciuffa, Fiocca und Dolce
"Viele, die ihr ganzes Leben auf die Liebe verwendeten, können uns weniger über sie sagen, als ein Kind, das gestern seinen Hund verloren hat." (Thornton Wilder)